Frettchen verstehen und richtig erziehen

Jetzt kommt bald wieder die Zeit, wo viele Frettchenanfänger sich in das Abenteuer mit Welpen stürzen und die Foren werden überschwemmt mit der Frage, wie gewöhne ich meinem Frettchen das Beißen ab.

Viele haben darauf wundersame Antworten parat, die mir sagen, dass diese Leute sich in keinster Weise mit den Tieren beschäftigt haben und nur das nachplappern, was sie wiederum gehört oder gelesen haben. Ich möchte mit so manch klugen Tipps mal klar Schiff machen und auch erklären, warum diese nicht funktionieren können.

Nehmen wir mal den am häufigsten genannten Ratschlag, das Nackenschütteln. Wenn wir unsere Tiere mal beobachten, dann sehen wir, dass sie sich im Streit im Nacken nehmen und schütteln. Das Tier das geschüttelt wird, wird also angegriffen und wird sich natürlich versuchen zur Wehr zu setzen. Was zeigen wir also unserem Frettchen, das wir im Nacken nehmen und schütteln ? Wir greifen es an und fordern im Grunde eine Gegenwehr heraus. Also kann diese Art der Erziehung logischerweise nicht die richtige sein, die uns den gewünschten Erfolg bringt.

Wie zeigt ein Frettchen seinen Unmut über etwas ? Es faucht, oder schreit sogar, also es kommuniziert mit seiner Stimme. Also müssen auch wir so mit ihm kommunizieren. Friedliches muckern zeigt dem Frettchen, dass ihm jemand wohl gesonnen ist, also sollten wir versuchen ruhig auf das Frettchen einzureden um sein vertrauen zu gewinnen, etwas schärfer, mit zum Beispiel einem „Nein“ um ähnlich dem Fauchen unsern Unmut über etwas kund zu tun.

Das A und O in der Erziehung ist das Vertrauen des Tieres zu gewinnen, was tun die Tiere untereinander, wenn sie vertrauen zueinander haben, sie putzen sich, wir können das zum Beispiel durch streicheln und kraulen umsetzen (gibt weniger Haare im Mund, als das Putzen). Das Frettchen soll von sich aus zum Menschen kommen, es soll auf keinen Fall zu Liebkosungen gezwungen werden.

Ziehen also Welpen, oder auch bereits erwachsene Tiere, bei ihren neuen Besitzern ein, dann sollte man sie nicht damit überfordern, dass man sie mit all seiner Liebe überschüttet. Hier muss man die Geduld aufbringen, dass sich das Tier eingewöhnen kann. Sich an die Umgebung und an die neuen Menschen gewöhnen kann. Seine von Natur aus gegebene Neugier wird es irgendwann dazu bewegen sich den Menschen, der ihm immer schön Futter gibt und mit ihm spricht, etwas näher anzusehen.

Diese erste Annährung sollte belohnt werden, am besten mit Vitamin- oder Malzpaste, die mögen Frettchen im Allgemeinen gerne. Anfänglich sollte die Paste aus der Tube angeboten werden, mit der Zeit aber sollte man die Paste auf den Finger geben und dem Frettchen hin halten, so kann es noch mehr den Geruch des Menschen mit etwas angenehmen in Verbindung bringen, eben dieser wohlschmeckenden Paste. Das Frettchen hat schnell herausgefunden, dass ihm die Nähe des Menschen etwas Gutes einbringt und es wird immer mehr die Nähe suchen. Man sollte dann das Tier auch ruhig mal hochnehmen und ihm wiederum Paste anbieten. Verhält sich das Tier ruhig, sollte es auch nach relativ kurzer Zeit wieder „in die Freiheit“ entlassen werden. Versucht das Tier zu beißen, sollte man es auf keinen Fall direkt wieder absetzen, denn dem Frettchen sagt das, wenn ich zubeiße erreiche ich das was ich will, ich werde losgelassen. Das Frettchen sollte man in einem sicheren Griff haben, der keine Angriffsstelle zum Beißen bietet. Nun versucht man aber das Frettchen nicht mit Bestrafung davon abzubringen zu beißen, sondern man versucht ihm mit ruhiger Stimme und streicheln begreiflich zu machen, dass ihm nichts passiert und es etwas Angenehmes ist in der Menschenhand zu sein. Wird das Tier dann ruhig und unterlässt die Versuche zu beißen, setzt man es wieder ab und lässt es seinen Weg gehen.

Warum ich von dieser Methode überzeugt bin und von keiner anderen ? Weil ich selbst einen heftigen Beißer Zuhause habe, bei dem ich auch all diese Super-Tipps angewendet habe, mit dem Erfolg, dass er immer aggressiver wurde. Nur mit der beschriebenen Methode habe ich es geschafft, dass er mich nicht mehr beißt und ich sein Vertrauen und seinen Respekt genieße.

Sicherlich kostet es ein wenig Überwindung ein bissiges Frettchen freiwillig hoch zu nehmen und auch noch in der Hand zu behalten, wenn es zubeißen will, aber die Überwindung lohnt sich auf jeden Fall. Wenn ich mich also einem Tier gegenüber richtig verhalten will, dann darf ich ihm nicht das Denken eines Menschen aufzwingen, dass es sowieso nicht verstehen wird, sondern ich muss mich in das Denken des Tieres versetzen, damit es auch verstehen kann, was ich von ihm erwarte. Ich kann also das richtige Verhalten des Tieres gegenüber nur lernen, wenn ich mir die Mühe mache den Umgang der Tiere untereinander zu beobachten und das entsprechend umsetze.

Ich bitte also alle Anfänger in Sachen Frettchen, hört auf mit Nackenschütteln und Genickbeißen und sonstigen super Ratschlägen, die man euch so mit auf den Weg gibt. Handelt so, dass die Tiere auch verstehen was ihr von ihnen wollt. Sie reagieren auf das, was ihr ihnen vorgebt, fordert ihr sie mit Nackenbeißen und Schütteln zum Kampf heraus, dann wundert euch nicht, wenn sie sich auf dieses Kämpfchen einlassen.

Wenn ihr mit diesen Tieren leben wollt und Freude an ihnen haben wollt, dann seid auch bereit sie zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren, wie es für sie verständlich ist.

Natürlich sind Theorie und Praxis auch hier so eine Sache, deshalb ist es sicher hilfreich, sich an einen Frettchenbesitzer zu wenden, der einem den richtigen Umgang zeigt. Und hierbei denkt immer daran, zeigt er euch Erziehungsmassnahmen wie Nackenschütteln oder ähnliches, dann sollte dieser angeblich erfahrene Besitzer wohl selbst noch mal die Frettchenschulbank drücken.

In diesem Sinne wünsche ich allen künftigen Frettchenbesitzern eine guten Start ins Abenteuer Frettchen und dass ihr alle viel Spaß mit diesen süßen Kobolden haben werdet.
Ein Bild mit dem sicheren Halten eines Frettchen, ohne ihm Angriffsfläche zu bieten, werde ich noch nachreichen.